
Heinrich, Jürgen; Moss, Christoph (2006):
Wirtschaftsjournalistik — Grundlagen und Praxis,
VS-Verlag, Wiesbaden, 334 Seiten, 26,90 Euro
„Glanzstück des Buches ist die mehrseitige Liste von
Sprechsünden.“
Insight - Markt & Management für Journalisten, 03/2008
„Mit einfachen Definitionen wichtiger Fachbegriffe, Quellen für
die Recherchearbeit und dem richtigen Umgang mit Sprache und Zahlen
haben Heinrich und Moss ein kleines Wirtschaftslexikon geschaffen,
das verdeutlicht, wie qualitative Wirtschaftsberichterstattung
aussehen soll. Das Sahnehäubchen ist eine Liste mit
Sprachsünden.“
www.horizont.at, 05.06.2007
„Die Lektüre hilft, die Tätigkeit von Wirtschaftsjournalisten an
der Börse besser einschätzen zu können. Die Autoren verschaffen
einen guten Überblick über die Aufgaben und die Funktion des
Reporters auf dem Parkett.“
PR Report, 05/2007
„Experimentierfreudigen wie erfahrenen Wirtschaftsreportern bietet
das Lehrwerk [...] eine fundierte und gelungene Basis für
hochwertige Berichterstattung. Denn wenn man sie versteht, kann
Wirtschaft - für manche ein 'Buch mit sieben Siegeln' - schließlich
auch spannend und unterhaltsam sein wie ein Krimi.“
Storyletter (Newsletter von Storymaker - Agentur für Public
Relations), 02/2007
„Endlich können angehende Wirtschaftsjournalisten zu einem auf ihre
Bedürfnisse zugeschnittenen Lehrbuch greifen. [...] Anschaulich
beschreiben sie [die Herausgeber] das Handwerkszeug, das die
künftigen Ökonomie-Spezialisten für ihre Arbeit brauchen - den
richtigen Umgang mit Zahlen und Floskeln, den Aufbau von Texten,
das Lesen von Bilanzen und die Kenntnis vom Wirken des Staats in
der Wirtschaft. Als Bonus gibt es noch Tipps zur Organisation von
Redaktionen.“
Medienspiegel - Mediendienst des Instituts der Deutschen Wirtschaft
Köln, 08.02.2007
„Wirtschaft“, „Kommunikation“, „Wissenschaft“ - niemand würde
bestreiten, dass dies wichtige Zukunftsthemen sind. Umso
erstaunlicher, dass genau dort Funkstille herrscht, wo diese Fächer
aufeinander treffen. Wirtschaftsjournalistik, die Wissenschaft vom
Wirtschaftsjournalismus, führt ein Außenseiterdasein. Es gibt sie
eigentlich gar nicht.
„Die meisten Kommunikationswissenschaftler tun sich mit Wirtschaft
schwer. Sie haben mangels Vorbildung keinen Zugang zu diesem
Thema“, sagt Stephan Ruß-Mohl, Professor an der Universität Lugano.
Ähnlich äußert sich sein Kollege Volker Wolff von der Universität
Mainz. „Es gibt kaum Literatur.“ Deutschland ist dabei kein
Einzelfall. Auch in anderen Ländern beschäftigt sich die
Kommunikationswissenschaft kaum mit dem
Wirtschaftsjournalismus.
Wie aber kann das sein? Wenn sich Wissenschaftler mit Journalismus
befassen, sprechen sie gern von einer besonderen „öffentlichen
Aufgabe“. Medien, so lernen es die Studenten an der Universität,
sollen Öffentlichkeit herstellen. Nur so können Journalisten das
politische und soziale Handeln kontrollieren. Und kaum jemand wird
bestreiten, dass Wirtschaft ein wesentlicher Teil dieses sozialen
Handelns ist.
Der englische Ökonom Arthur Cecil Pigou hat einmal gesagt, dass
Wirtschaft alles umfasst, was auf den Maßstab des Geldes gebracht
werden kann. Und das ist eine ganze Menge. Kaum vorstellbar, dass
es „Tagesschau“-Nachrichten gäbe, die nicht auf den Maßstab des
Geldes gebracht werden könnten. Vorstellbar aber ist, dass ein
großer Teil der Zuschauer die Fernsehnachrichten gar nicht erst
versteht. Darauf jedenfalls gibt es deutliche Hinweise aus der
Kommunikationswissenschaft.
Und nachweisbar ist, dass die Deutschen große Defizite bei
ökonomischer Bildung haben. Was ist sicherer, die Aktie oder das
Sparbuch? Und in welcher Stadt ist der Sitz der Europäischen
Zentralbank? Immer wieder weisen Studien nach, dass Erwachsene
Probleme haben, solche Fragen zu beantworten.
Dies zu ändern ist Sache von Lehrern, Bildungspolitikern - und
Journalisten. In einer Zeit, in der Menschen eigenverantwortlich
Entscheidungen treffen zur Altersvorsorge, zur Gründung eines
Unternehmens oder zur Finanzierung ihres Studiums, wird der Umgang
mit Wirtschaft zu einem gesellschaftlichen Schlüsselthema.
Der Wissenschaftler Stephan Ruß-Mohl beobachtet von der Schweiz aus
die Entwicklung des europäischen Journalismus. „Medienforscher
haben erst spät damit begonnen, sich jenseits der
Politikberichterstattung um einzelne Berichterstattungsfelder zu
kümmern“, sagt der Leiter des Europäischen
Journalismus-Observatoriums in Lugano. So seien auch
Sportjournalismus oder Kulturberichterstattung wissenschaftlich
vernachlässigt worden. „Erst in jüngster Zeit entdecken beide
Seiten, wie spannend es sein kann, interdisziplinär zu arbeiten und
aufeinander zuzugehen“, sagt Ruß-Mohl.
Was genau zur Wirtschaftsjournalistik gehört, hat der emeritierte
Dortmunder Journalistikprofessor Jürgen Heinrich zusammengetragen.
Das Ergebnis: fast alles. Die Berichterstattung über Unternehmen,
Branchen und Märkte zählt dazu genauso wie die journalistische
Betrachtung des Menschen in seiner Eigenschaft als Arbeiter,
Unternehmer oder Konsument. Selbst die Frage, wie Medien über die
Gesundheitspolitik berichten, über die Imageeffekte einer
kommunalen Segelregatta oder über den Sinn von Kultursubventionen
ist Gegenstand der Wirtschaftsjournalistik. Claudia Mast von der
Universität Hohenheim spricht von der „Ökonomisierung unseres
Alltages“, die jeden etwas angehe - Nachwuchsjournalisten und
Kommunikationswissenschaftler gleichermaßen.
Wirtschaft ist damit ein Querschnittsthema - in der täglichen
Arbeit der Journalisten genauso wie in der wissenschaftlichen
Theorie. Und dies wiederum könnte erklären, warum die Hochschulen
das Thema noch nicht richtig zu fassen bekommen haben. Immerhin
aber gibt es erste hoffnungsvolle Ansätze. So entwickeln
Kommunikationswissenschaftler eine gewisse Leidenschaft bei der
Frage, welchen Einfluss PR-Strategen auf den klassischen,
unabhängigen Journalismus haben. Und hilfreich sind sicherlich auch
Untersuchungen zur Kursentwicklung von Aktien, die Gegenstand von
öffentlich geäußerten Aktienempfehlungen sind. Nur ist dies nicht
besonders kreativ.
Interessanter erscheinen Versuche, die ökonomischen Theorien auf
die Kommunikation anzuwenden. Die Frage etwa, ob Journalismus ein
öffentliches oder ein privates Gut ist, hat den Wissenschaftler
Jürgen Heinrich ein halbes Forscherleben lang beschäftigt. Die
Antwort: Journalismus ist beides.
Und darüber, ob sich Journalisten bei der Ausübung ihres Berufs
ökonomisch rational verhalten, lässt sich trefflich streiten.
Stephan Ruß-Mohl jedenfalls kann sehr schlüssig zeigen, dass sich
Größen wie Knappheit, Unsicherheit und Wettbewerb sehr wohl auf die
Alltagsarbeit in Redaktionen auswirken. Seine These: Der Journalist
handelt wie ein „homo oeconomicus“, wenn er recherchiert, schreibt
und Nachrichten auswählt. Anders als vielfach vermutet, dienen
Journalisten weniger dem Allgemeinwohl als viel mehr eigenen,
egoistisch motivierten Zielen.
In der eher sozialwissenschaftlich orientierten Kommunikationslehre
sind solche Aussagen eine Provokation. Aber sie zeigen, dass es
lohnenswert sein kann, die scheinbar fremden Welten „Wirtschaft“,
„Kommunikation“ und „Wissenschaft“ zusammenzuführen.
Auszug aus: Moss, Christoph (2006): Wissenschaft für Außenseiter, in: Handelsblatt Nr. 236 vom 06.12.06 Seite 9