Deutsch für Manager - alles nur gecloud? Kurioses und Wissenswertes aus der Welt der Wirtschaftssprache, Vortrag beim Mediengespräch im Miele-Forum am 16.02.2012 in Gütersloh
Stilblüten aus der Wirtschaftssprache, Vortrag bei der Allianz Deutschland AG am 24.01.2012 in München
Deutsch für Manager - Stilblüten aus der Wirtschaftssprache, Vortrag bei der Allianz Deutschland AG am 24.01.2012 in München
Public Relations im Non-Profit-Bereich, Vortrag in der Evangelischen Medienakademie am 26.10.2011 in Düsseldorf
Wirtschaft im Lokalen, Vortrag in der Journalistenschule Ruhr am 10.10.2011 in Essen
Vielen Dank für Ihre E-Mail - Kurioses, Wissenswertes und Hilfreiches rund um das Kommunikationsmittel Nummer 1, Vortrag bei der IVU-Managementtagung am 27.05.2011 in Heidelberg
Social Media in der Internen Kommunikation, Vortrag bei Management Circle am 23.03.2011 in Düsseldorf
Überraschen Sie mal wieder mit Deutsch - Durch verständliche Sprache überzeugen, Vortrag bei der Sparkassenakademie Baden-Württemberg am 2.03.2011 in Rastatt
Social Media in der Internen Kommunikation, Vortrag bei Management Circle am 23.02.2011 in Frankfurt
Social Media in der Internen Kommunikation, Vortrag bei Management Circle am 31.01.2011 in München
Viel haben sich die Unternehmen (...) vorgenommen. Vor allem
Vertrauen aufbauen, Glaubwürdigkeit stärken. Aber schon die ersten
Wochen des neuen Jahres zeigen, dass zwischen Anspruch und
Wirklichkeit eine riesige Lücke klafft. Ein großer Teil der
Unternehmen kommuniziert weiter an den Kunden vorbei.
Zu den besonders gebeutelten Branchen etwa zählt die Autoindustrie
- ökonomisch und sprachlich. Wer auf die Homepages der Hersteller
klickt, kann leicht verwirrt werden: Sollen Kunden des
Ford-Konzerns wirklich Autos kaufen, bei denen sie das
„Differenzial fühlen“? Und will Kia die raren potenziellen
Autokäufer tatsächlich „mit Strom überraschen“? Beabsichtigt sind
diese Interpretationen nicht, aber von vielen Betrachtern der
Homepages werden die englischen Werbebotschaften so verstanden, wie
eine Studie ergab.
„Wenn Kunden die Werbesprüche von Unternehmen nicht verstehen,
entsteht im Hirn verbaler Nonsens“, sagt Bernd Samland,
Geschäftsführer der Kölner Agentur Endmark. Das Unternehmen führt
regelmäßig Experimente zum Sinn und Unsinn englischsprachiger
Werbesprüche durch. Die Ergebnisse sind niederschmetternd. Eine
nennenswerte Zahl von Teilnehmern interpretierte die Sprüche der
Autohersteller falsch: Aus dem Ford-Motto „Feel the Difference“
wurde „Ziehe die Differenz ab“ oder eben „Fühle das Differenzial“.
Und der Kia-Spruch „The Power to Surprise“ wurde interpretiert als
„Überraschungsmacht“, „Power-Überraschung“ oder als Versuch, „mit
Strom zu überraschen“.
In der Sprache der Wirtschaftskrise zeigt sich die Krise der
Wirtschaftssprache. Experten schätzen den Schaden, der in der
deutschen Wirtschaft durch unverständliche Texte entsteht, auf
jährlich eine Milliarde Euro. Der Braunschweiger
Sprachwissenschaftler Günther Zimmermann hält diese Summe noch für
„deutlich untertrieben“. Wer sich an den Kunden wende, müsse ihn
überzeugend ansprechen, sagt er.
Sprache ist für Unternehmen keine Nebensache. Schon vor drei
Jahrzehnten fanden Forscher in den USA heraus, dass etwa 40 Prozent
des Marktwerts börsennotierter Unternehmen von deren
Kommunikationsarbeit abhängt. Für die PR-Abteilungen ist damit die
wichtigste Aufgabe definiert: Sie sollen so kommunizieren, dass
Anleger und Kunden das Unternehmen positiv wahrnehmen. Viele
Manager aber scheitern gerade in der Krise an der hohen Hürde
Verständlichkeit. Sie erwecken den Eindruck, als wollten sie vor
allem imponieren, aber nicht informieren.
Dabei spüren Kunden, Leser oder Aktionäre sehr schnell, ob der
Vertreter eines Unternehmens offen und direkt mit ihnen spricht
oder ob er sich hinter einer Ansammlung von Kunstwörtern versteckt.
Was etwa zeichnet ein „gut aufgestelltes Unternehmen“ aus, das
selbst im Krisenjahr 2009 noch teures Geld für Stellenanzeigen
ausgibt, um potenzielle Bewerber mit solchen Worthülsen zu
bombardieren? Warum soll ein „fokussierter“ Anbieter besser sein
als ein Konkurrent, der ohne diese Phrase auskommt?
Jeder Metzgermeister könnte von sich behaupten, ein „gut
aufgestellter, fokussierter“ Anbieter von Fleischwaren zu sein. Er
wird es aber nicht tun, weil die Kunden kopfschüttelnd aus dem
Laden rennen würden. Dort aber, wo sich Unternehmen räumlich und
emotional von ihren Kunden entfernen, drucken sie Firmenbroschüren
voller nichtssagender Formulierungen.
Das klingt dann etwa so: „Wir realisieren nachhaltige Projekte,
implementieren Prozesse und heben eine Vielzahl von Synergien.
Unsere Tools basieren auf einem Netzwerk von Applikationen. Wir
bündeln unsere Kernkompetenzen und generieren neue
Umsatzpotenziale. Unser Portfolio besteht aus internationalen
Aktivitäten. Wir arbeiten absolut kapitalmarktorientiert. Auf diese
Weise erzielen wir eine hohe Profitabilität.“
Selten waren Manager in der Öffentlichkeit so schlecht angesehen
wie derzeit. Und dies liegt nicht immer nur an den vermeintlich
böswilligen Medien. Ob ein Vorstandsvorsitzender als sympathisch
und kompetent wahrgenommen wird, entscheiden nicht die Medien,
sondern er selbst. Und sein Erscheinungsbild steht in engem
Zusammenhang mit dem Ansehen der Firma. Er selbst muss entscheiden,
ob er klar und deutlich sprechen möchte oder aber imposant und
unverständlich.
Der Sprachwissenschaftler Marcus Reinmuth von der Universität
Düsseldorf kann nachweisen, dass ein und dieselbe Botschaft in
verschiedener sprachlicher Form unterschiedliche Rückschlüsse auf
den Charakter eines Managers zulässt. Und dies hängt nur davon ab,
wie der Sprechende seine Aussagen strukturiert. Lange Sätze,
Verschachtelungen oder Passivkonstruktionen wirken sich demnach
negativ auf die Glaubwürdigkeit des Verfassers aus. Ein gut
geschriebener Text hingegen ist „verständlich, sympathisch,
vertrauenswürdig und kompetent“.
Denn nicht alle Menschen, die den Worten eines Managers lauschen,
haben auch die Fähigkeit, ihn zu verstehen. Nicht nur die
Fremdsprachenkenntnisse der deutschen Leser und Zuhörer sind
begrenzt, auch die ökonomische Allgemeinbildung ist nur mäßig
entwickelt. Gerade die Finanzkrise hat eindrucksvoll gezeigt, dass
viele Menschen gar nicht begreifen, was zum Beispiel ein Zertifikat
ist und wozu man Asset Backed Securities braucht.
Doch die Kommunikationsabteilungen der großen Unternehmen lassen
sich davon nicht beirren. Sie machen den Schlussverkauf zum „Sale“
und den Veranstaltungsort zur „Location“. Dem verbalen Nonsens, so
scheint es, sind keine Grenzen gesetzt. Eine denkbar schlechte
Voraussetzung für den Aufbau von Vertrauen.
Auszug aus: Moss, Christoph (2009): Nonsens aus der Chefetage - Auch in der Krise sprechen viele Unternehmen eine unverständliche Sprache, in Handelsblatt Nr. 009 vom 14.01.09, Seite 9