Deutschlandfunk: Noch immer nichts
gelernt?
Wirtschaftsjournalismus in der Krise - Medienquartett
Alles begann mit einer Pleite. Als im September 2008 die US-Investmentbank Lehman Brothers in die Knie ging, war das der Anfang der weltweiten Finanzkrise. Welche Rolle spielten eigentlich die Medien im Vorfeld dieser Katastrophe, fragte sich die Welt damals verwundert? Warum wurden wir nicht gewarnt?
Eine deutsche Studie attestierte dem Finanz- und
Wirtschaftsjournalismus 2010 Versagen auf ganzer Linie, das
"Frühwarnsystem der Gesellschaft" funktioniere nicht.
Fachjournalisten, so der Befund, hätten sich am liebsten um die
Anbieter und Anleger von Finanzprodukten gekümmert. Zusammenhänge
und globale Verstrickungen in der Finanzwelt wurden nicht
verstanden und/oder nicht kommuniziert.
Und heute? Heute ist aus der Weltfinanzkrise eine Schulden- und
Eurokrise geworden. Und die Medienwelt? Fragt sie heute nach den
Ursachen, der Rolle der Politik oder gar nach Auswegen? Zumindest
quantitativ lässt die Berichterstattung über die Eurokrise nichts
zu wünschen übrig. Aber wie steht es mit der Qualität des Finanz-
und Wirtschaftsjournalismus im Jahr 2012?
Über den Wirtschaftjournalismus in Krisenzeiten diskutieren im
Medienquartett:
Tissy Bruns, Leitende Redakteurin, Tagesspiegel;
Markus Gürne, Redaktionsleiter "Börse im Ersten";
Hans Janke, ehem. stellvertr. Programmdirektor ZDF;
Prof. Christoph Moss, Professor für Journalistik und
Medienmanagement, Business and Information Technology School
BiTS
Moderation: Christian Floto
Deutschlandradio Kultur, Medienquartett, 27. Januar 2012
(...) Der Autor zieht geistreiche Bezüge zwischen der Managersprache und dem Fussball, und er schreibt über die sogenannte Substantivierungskunst. Für Plattitüden fordert Moss einen Artenschutz, denn irgendwann stosse die linguistische Grosszügigkeit an ihre Grenzen. Dass der Leser, wie im Vorwort angetönt, nach der Lektüre des Buches zum Schluss kommt, dass die wahren Literaten oft als Manager arbeiten, ist unwahrscheinlich. Aber die eigentliche Aussage von Moss scheint am Ende klar: Kommunikation in Unternehmen ist unerlässlich. Aber dazu bedarf es keiner Worthülsen, sondern einer einfachen und verständlichen Sprache. Für Unternehmen kann das «miteinander reden » nur von Nutzen sein.
Zitat aus Neue Zürcher Zeitung, 6. Mai 2009