
Moss, Christoph (2008): Deutsch für Manager - Fokussierte Stilblüten aus der globalisierten Welt der Sprach-Performance, Verlag Frankfurter Allgemeine Buch
„Deutsch für Manager” ist ein Buch über die Sprache von Führungskräften. „Kommunikation in Unternehmen ist unerlässlich. Aber dazu bedarf es keiner Worthülsen, sondern einer einfachen und verständlichen Sprache“, schreibt die Neue Zürcher Zeitung.
Das Handelsblatt sagt dazu: „Kurz und knapp seziert der Autor eine in Deutschland weit verbreitete Managerkrankheit: das Auftürmen von ,Wortkulissen, die häufig imponieren, aber nicht informieren‘.“
Aus Sicht des Bayerischen Rundfunks ist das Buch ein „in Zeiten der Finanzkrise hochaktueller Sprachratgeber“.
Zunächst die gute Nachricht: Managersprache ist erlernbar. Wer seine Mitarbeiter beeindrucken will, muss allerdings wichtige und scheinbar wichtige Begriffe aus dem englischen Kulturraum geschickt in ein deutsches Sprachkorsett weben. Das nachfolgende Textbeispiel führt uns ein in die Welt des Marketing.
Wir sind Zeugen einer Abteilungsversammlung. Es läuft nicht richtig gut in diesem Unternehmen. Entsprechend engagiert spricht der Abteilungsleiter mit seinen Mitarbeitern. Selbstverständlich ist er mit seiner Belegschaft per Du:
„Liebes Team, ich habe dieses Meeting angesetzt, weil ich die Awareness für unsere Brands supporten will. Wir haben eben im Briefing gehört, dass unser Business Model noch nicht zu der Performance geführt hat, die ich mir wünsche. Wir sind noch immer nicht break even. Wir generieren zu geringe Erlöse aus dem Community-Business. Von Cash Flow will ich erst gar nicht reden. Wir haben uns committed, unsere Learnings zu promoten. Aber was Ihr bisher gezeigt habt, ist Single Loop Learning. Ich will mit Euch den Turn around schaffen. Wir werden daher unsere Ressourcen von Support zu Sales shiften. Wir müssen as soon as possible unsere USP pushen. Seien wir ehrlich. Unser Projekt ist ambitioniert, aber im Moment stecken wir im Bottleneck. Unser Mindset muss künftig fully sales oriented sein. Was bedeutet das für Euch? Wir werden in nächster Zeit verstärkt downsizen. Sorry, aber anders geht es nicht. Gleichzeitig wollen wir mehr Intrapreneurship sehen. Ich fordere Satisficing. Liebe Leute: Ihr seid alle High Potentials. Wir brauchen Eure Awareness für das, was kommt. Wir werden unser gesamtes Pricing refreshen. Wir werden höhere Fees chargen. Wir lassen das alte Model outphasen. Wir switchen um. Neue Features, neue Add-ons. Die ganze Marketing Power geht auf die Services. Und dann will ich Return sehen.“
Wir wissen nicht, wieviele Mitarbeiter die Ansage tatsächlich verstanden haben. Aber beeindruckt waren sie mit Sicherheit. Für all diejenigen, die inhaltlich noch nicht bis zum Kern der Botschaft durchgedrungen sind, hier eine kurze Zusammenfassung. Die nachfolgenden Sätze sind in einfachem Deutsch verfasst, einer Sprache, die fast alle Menschen in Deutschland gut verstehen können.
Der Abteilungsleiter will ausdrücken, dass er unzufrieden ist. Das Unternehmen verdient mit dem neuen Projekt noch kein Geld. Die Mitarbeiter ziehen nicht richtig mit. Sie lernen zu wenig und verharren in alten Denkmustern. Die Kunden erkennen noch kein Alleinstellungsmerkmal. Die Marken sind noch zu wenig bekannt. Deshalb will der Chef das Produkt verändern und höhere Preise verlangen. Er will den Verkauf fördern zulasten von Verwaltungsjobs innerhalb der Abteilung. Und überhaupt will er nach und nach Stellen abbauen. Denn am Ende will er vor allem eins: profitabel sein.
Dass dies möglicherweise nicht jeder Mitarbeiter auf Anhieb verstanden hat, liegt in der Natur der Sache, oder besser gesagt, in der Natur der Sprache. Aus diesem Grunde ein wichtiger Hinweis an den Abteilungsleiter: Bitte refreshen Sie noch einmal Ihre Awareness für die eigene Sprachperformance. Ihr USP ist Verständlichkeit. Promoten Sie Ihre Learnings as soon as possible. Ihr Mindset sollte fully language oriented sein. Dann schaffen Sie den Turn around!
Christoph Moss (2008): Deutsch für Manager - Fokussierte Stilblüten aus der globalisierten Welt der Sprach-Performance, Verlag Frankfurter Allgemeine Buch