Moss, Christoph (2008): Anlass zur Sorge, in: Handelsblatt vom 26.11.2008, S. 11
Moss, Christoph (2008): Das Phänomen Kommunikation, in: Handelsblatt 29.10.2008, S. 9
Moss, Christoph (2008): Jung und sozialistisch, in: Handelsblatt vom 01.10.2008, S. 9
Moss, Christoph (2008): Rezension Nikolaus Jackob/Jenny Arens/Thomas Zerback: Immobilienjournalismus in Europa, in: Publizistik 4/2008, S. 617 – 618
Moss, Christoph (2008): Gefährliche Strategie, Handelsblatt vom 03.09.08, Seite 9
Moss, Christoph (2008): Im medialen Dunkel, in: Handelsblatt vom 06.08.08, Seite 9
Moss, Christoph (2008): Schändlich unverständlich, in: Herbert A. Henzler, Klaus Rainer Kirchhoff, Bernd Ziesemer (Hrsg.): Jahrbuch der Unternehmenskommunikation, S. 48 – 51 Econ Verlag, Berlin
Moss, Christoph (2008): Das dritte Leben, in: Handelsblatt vom 09.07.08, Seite 9
Moss, Christoph (2008): Abmoderation beim Radio, in: Handelsblatt vom 11.06.08, S. 9
Moss, Christoph (2008): Nachrichten für unterwegs, in: Handelsblatt vom 14.05.08, S. 9
Moss, Christoph (2008): Viel Luft nach oben, in: Absatzwirtschaft 5/2008, S. 28 – 33
Moss, Christoph (2008): Weblogs und die Liebe zum Ich – Eine Studie zeigt deutliche Unterschiede zwischen der Sprache von Online-Tagebüchern und herkömmlichem Journalismus, in: Handelsblatt vom 23.04.2008, S. 11
Moss, Christoph (2008): Das Kreuz mit Crossmedia, in: Handelsblatt vom 16.04.08, S. 9
Moss, Christoph (2008): Was Nokia falsch macht, in: Handelsblatt vom 19.03.08, S. 9
Moss, Christoph (2008): Lesen oder schweigen, in: Handelsblatt vom 20.02.08, S. 9
Moss, Christoph (2008): Recherche und Gegenrecherche, in: Handelsblatt vom 23.01.08, S. 9
In der Kolumne „Denk-Fabrik“ des Handelsblatts hat Christoph Moss regelmäßig über neue Erkenntnisse in der Kommunikationswissenschaft geschrieben. So erschien am 03.09.08 der Beitrag „Gefährliche Strategie":
Studien sind nicht immer schmeichelhaft für die Betroffenen. Die
Untersuchung „Immobilienjournalismus in Europa“ macht da keine
Ausnahme. Sieht man sich die Ergebnisse dieser Pilotstudie genauer
an, stellen die drei Autoren vor allem der Öffentlichkeitsarbeit
von Immobilienunternehmen kein erfreuliches Zeugnis aus. Nikolaus
Jackob, Jenny Arens und Thomas Zerback haben 200 Fachjournalisten
aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Spanien
und der Schweiz befragt. Die Ergebnisse zeigen, wie schwer sich die
Immobilienbranche offensichtlich damit tut, die Öffentlichkeit
zufriedenstellend zu informieren.
Es gebe noch „hinreichend Verbesserungspotenzial“, schreiben die
Wissenschaftler. Vor allem die geschlossenen Fonds fallen negativ
auf. Nur ein Fünftel der Befragten bewertet die Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit dieser Branche positiv. Auch Makler und
Berater sowie Projektentwickler und Bauträger schneiden wenig
überzeugend ab. Das Urteil der Journalisten ist ernst zu nehmen.
Wer, wenn nicht diese Fachredakteure, kann ein profundes Urteil
über den Außenauftritt der Immobilienbranche abgeben? Gerade bei
komplexen Themen sind Journalisten auf gut geschriebene und
verständliche Informationen aus den Unternehmen angewiesen.
Pressekonferenzen und persönliche Kontakte zu den Verantwortlichen
sind unersetzbare Informationsquellen für Immobilienjournalisten -
und für die Unternehmen selbst.
Was banal klingt, scheint in der Umsetzung schwierig. Die einzige
Ausnahme bilden Banken und Immobilienaktiengesellschaften. Sie
kommunizieren in den Augen der befragten Fachjournalisten deutlich
besser. Möglicherweise, weil sie anderen gesetzlichen
Veröffentlichungspflichten unterliegen.
Gute Öffentlichkeitsarbeit kann helfen, „generellen
Ressourcenaufwand zu mindern, die Fehlerquote der Berichterstattung
zu senken oder auf Themen, Ereignisse und Personen aufmerksam zu
machen“, schreiben die Wissenschaftler.
Wenn eine Branche wirtschaftlich erfolgreich ist, wirkt mangelnde
Kommunikation auf den ersten Blick wie eine lässliche Sünde. Im
Krisenfall aber kann diese Haltung schnell einen Bumerangeffekt
auslösen. Wer sich in guten Zeiten nicht bemerkbar gemacht hat,
wird kein Gehör finden, wenn es ihm schlechtgeht. Journalisten,
Leser und Kunden sind dann nur noch unter größten Mühen mit
Argumenten zu überzeugen.
Nichtkommunikation kann schnell zur Krisenkommunikation führen.
Eine gefährliche Strategie mit nicht kalkulierbaren Folgen.
Moss, Christoph (2008): Gefährliche Strategie, Handelsblatt vom 03.09.08, Seite 9
Wenn es um Entwicklungen auf dem Medienmarkt geht, sind
US-Zeitungen ein guter Gradmesser. Gegenwärtig spüren sie besonders
heftig den Gegenwind aus dem Internet. Blogs, Communitys und
Wackelvideos verändern lieb gewonnene Kommunikationsrituale. In der
Folge bangen die traditionsreichen Unternehmen um ihre Renditen.
Die einzige Lösung, so scheint es, heißt Crossmedia: Die großen
Tageszeitungen bauen ihre Medienplattformen aus. Aus Journalisten
werden Contentproduzenten, die für die gedruckte Zeitung genauso
arbeiten wie für die Online-Ausgabe.
Wissenschaftler des amerikanischen „Project for Excellence in
Journalism“ haben nun grundlegende Trends zum
Crossmedia-Journalismus herausgearbeitet. So kooperieren die
Zeitungen auf dem Werbemarkt inzwischen eng mit Online-Giganten wie
Google oder Yahoo. Sie bilden ihre Belegschaften massiv zu
Multimediareportern aus. Und sie verstehen sich nicht mehr nur als
reine Anbieter von selbst produzierten Inhalten. Vielmehr nehmen
sie auch die Funktion eines Maklers ein, der seinen Nutzern
Hilfestellung bei der Suche nach externen Informationen gibt.
Die amerikanische Consultingfirma Bivings Group hat dazu
vorgerechnet, wie intensiv die Zeitungen ihr Online-Geschäft
ausbauen: Die großen Anbieter haben inzwischen fast alle ein
Reporter-Blog oder schicken Nachrichten als RSS-Feed durch die
Welt.
Eigentlich, so sollte man meinen, reagieren die Unternehmen also
sehr professionell auf die Herausforderung aus dem Netz. Einzig
John Russial von der Universität Oregon bremst die Euphorie. Der
Wissenschaftler hat 150 große Tageszeitungen untersucht. Die Studie
ist noch nicht abgeschlossen. Erste Ergebnisse aber hat der
Direktor des Europäischen Journalismus-Observatoriums in Lugano,
Stephan Ruß-Mohl, bereits veröffentlicht. Demnach scheinen noch
Welten zu liegen zwischen der Ankündigung, crossmedial zu arbeiten,
und der praktischen Umsetzung. Aktuell investieren klassische
Zeitungsreporter kaum mehr als zehn Prozent ihrer Zeit für
Online-Geschichten. Videos werden nicht von Redakteuren, sondern
meist von Fotografen produziert. Das Modell des integrierten
Newsrooms, eine Art Kreativfabrik für mediale Inhalte, ist wohl
noch im Stadium des Prototyps.
Was können europäische Medienunternehmen daraus lernen? Ihre
Strategie, möglichst viele Medienkanäle zu bedienen, ist die
richtige. Aber sie müssen ihre Ressourcen effizient einsetzen, also
Zeit und Talent ihrer Journalisten klug einteilen. Crossmedia
klingt verlockend. Die praktische Umsetzung aber bedeutet noch
harte Arbeit im Detail.
Moss, Christoph (2008): Das Kreuz mit Crossmedia, in: Handelsblatt vom 16.04.08, S. 9
Handball, Fußball, Olympia - 2008 wird ein Jahr der sportlichen
Großereignisse. Für die Sportredaktionen der internationalen
Medienhäuser stellt dies eine regelmäßig wiederkehrende
Herausforderung dar. Logistisch, weil zum ersten Mal Olympische
Spiele im weit entfernten China stattfinden. Aber vor allem
inhaltlich, weil eine veränderte Medienlandschaft neue Inhalte
erfordert.
In diesen Tagen machen Ergebnisse einer internationalen Studie die
Runde, die Ende 2005 bereits im kleinen Rahmen in Dänemark
veröffentlicht wurden. Damals hatte Sejer Andersen von der Danish
School of Journalism seine „International Sports Press Survey“
abgeschlossen - eine Untersuchung zur Sportberichterstattung in
Tageszeitungen. Forscher aus zehn Ländern nahmen an dem Projekt
teil: Australien, Dänemark, Deutschland, England, Norwegen,
Österreich, Rumänien, Schottland, Schweiz und USA. An 14 Stichtagen
im Jahr 2005 prüften die Wissenschaftler Beiträge aus 37
Tageszeitungen. Mehr als 10 000 Zeitungsartikel wurden für das
Projekt untersucht.
Der Hamburger Medienwissenschaftler Thomas Horky trug die
Ergebnisse deutscher Zeitungen zu dieser Studie bei. Das
Gesamtresultat hat er nun in der Zeitschrift „Fachjournalist“
veröffentlicht. Dabei sticht eine Erkenntnis sofort ins Auge:
Sportjournalisten recherchieren häufig unsauber. Vier von zehn
Geschichten stammen nur aus einer Quelle. Das bedeutet, dass der
schreibende Journalist darauf vertraut, dass sein Informant ihm die
Wahrheit sagt - ohne dass eine Gegenrecherche stattfindet. Dies ist
ein krasser Verstoß gegen das journalistische Prinzip: Eine
Nachricht muss auf mindestens zwei voneinander unabhängigen Quellen
beruhen. Ein Journalist muss das Gerücht über den angeblichen
Trainerrauswurf gegenprüfen. Es reicht nicht, wenn er einem
Einflüsterer vertraut, sondern er muss mit dem Betroffenen selbst
sprechen. Die Neigung, dies zu tun, ist in Deutschland ebenso
schwach ausgebildet wie im internationalen Vergleich.
Leider deckt sich diese Erkenntnis mit Studien zu anderen
journalistischen Disziplinen, wie etwa dem Wirtschaftsjournalismus.
Recherche ohne Gegenrecherche ist aber nicht nur unschön, sondern
auch gefährlich. Gerüchtejournalismus richtet persönlichen und
materiellen Schaden an. Es bleibt die Hoffnung, dass der Erfolg des
Internets einen ganz besonderen Druck auf die klassischen
Informationsanbieter ausüben wird: Nur Medien, die sauber
recherchierte Hintergrundgeschichten liefern, werden im Wettbewerb
bestehen können. Dies gilt für den Sport genauso wie für alle
anderen Themen.
Moss, Christoph (2008): Recherche und Gegenrecherche, in: Handelsblatt vom 23.01.08, S. 9